Anschlussfinanzierung

Anschlussfinanzierung

by KreditJoe
Lesedauer: 31 Minuten

Ratgeber zur Anschlussfinanzierung und Umschuldung

Bei diversen Kreditarten besteht eine Zinsbindungsfrist. Wenn diese Ausläuft, dann muss in der Regel mit Bank neu verhandelt werden, um eine sogenannte Anschlussfinanzierung zu erhalten. Bei dieser handelt es sich im Grunde um nichts anderes, als um die Neuverhandlung der Konditionen für die restliche Laufzeit. Hier stehen dann Zinsen, Gebühren und viele weitere Aspekte zur Disposition, sodass am Ende ein neuer Kreditvertrag abgeschlossen wird. Dies kann mit der bisherigen Bank geschehen, allerdings gibt es auch Wege für eine Umschuldung oder ein ganz neues Darlehen, welches das alte ablöst. Dabei sollte rechtzeitig mit der Prüfung der Konditionen begonnen werden, denn nur wenn der Kunde im Bilde darüber ist, was er sich finanziell auch leisten kann, können erfolgreiche Verhandlungen geführt werden. Hier wurde Zusammengetragen, was bei einer Anschlussfinanzierung wirklich von Bedeutung ist.

Inhalt

Was ist eine Anschlussfinanzierung

Um ein besseres Verständnis zu erzielen ist an erster Stelle die Klärung des Begriffes erforderlich. Eine Anschlussfinanzierung stellt das Ende der Zinsbindungsfrist da. Zu diesem Zeitpunkt muss mit vergebenden Bank über die weiteren Konditionen des bestehenden Kredites verhandelt werden. Da zu diesem Zeitpunkt auch eine Zinsanpassung erfolgt, kann dieser zu Gunsten des Kunden günstiger ausfallen aber sich genau so gut ins Gegenteil verkehren.

Die Anschlussfinanzierung schafft für diesen Übergang den rechtlichen Rahmen, in welchem dann ein neuer Kreditvertrag über die Fortsetzung der Tilgung abgeschlossen wird. Die bedeutet, dass die Restsumme verändert bestehen bleibt es sich aus rechtlicher Sicht aber eigentlich um einen neuen Kredit handelt, weswegen auch der Terminus Anschlussfinanzierung gebraucht wird.

Haben Sie einen Baukredit und die Periode der Sollzinsbindung endet, so endet damit in vielen Fällen auch der Kreditvertrag, auch wenn Sie noch nicht den vollständigen Kreditbetrag zurückgezahlt haben. Sie benötigen also noch eine Anschlussfinanzierung, wenn Sie den Restbetrag nicht auf einmal tilgen können. Ihre Bank, bei der Sie den Kredit haben, benachrichtigt Sie rechtzeitig vor dem Ablauf Ihres Kreditvertrages und macht Ihnen ein Angebot für die Anschlussfinanzierung. Sie können jedoch die Anschlussfinanzierung auch bei einer anderen Bank vornehmen. Nutzen Sie dazu den Kreditvergleich online. Ein Anschlussfinanzierungs-Vergleich lohnt sich, da die Zinsen bei den einzelnen Kreditinstituten stark voneinander abweichen.

Der Kreditrechner, den Sie im Internet finden, gibt Ihnen einen Vergleich über die Höhe der Zinsen bei den einzelnen Banken. Sie geben die Höhe des Betrages ein, für den Sie eine Anschlussfinanzierung benötigen. Dazu geben Sie noch die gewünschte Laufzeit für Ihre Anschlussfinanzierung ein oder die Höhe der monatlichen Raten. Für die verschiedenen Anbieter erhalten Sie über den Kreditrechner Angaben zu der Höhe der Zinsen, der monatlichen Raten und der Gesamtkosten Ihrer Anschlussfinanzierung. Viele Direktbanken sind dabei, die besonders günstige Zinsen bieten, da sie keine Filialen betreiben und daher Kosten sparen. Ihnen steht kein persönlicher Berater vor Ort zur Verfügung, Sie haben jedoch jederzeit einen telefonischen Ansprechpartner. Über den Vergleich können Sie die Bank auswählen, die für Ihre Anschlussfinanzierung die günstigsten Konditionen bietet. Sie können den Antrag auf Anschlussfinanzierung online stellen, so erhalten Sie oft bereits nach kurzer Zeit eine Antwort der Bank.

Nutzen Sie für die Anschlussfinanzierung eine andere Bank, handelt es sich um eine Umschuldung. Sie ist bereits möglich, wenn Ihr Kreditvertrag noch nicht ausgelaufen ist, dabei ist sie jedoch häufig mit Kosten verbunden, die eine Kündigung des alten Vertrages mit sich bringt. Meistens verlangt die Bank, bei der Ihr Kreditvertrag besteht, eine Vorfälligkeitsentschädigung. So kann sie für sich selbst Zinsverluste ausgleichen. Ist jedoch Ihr Kreditvertrag abgelaufen, können Sie mit der Umschuldung als Anschlussfinanzierung einiges einsparen an Zinsen, was sich auf die Höhe Ihrer monatlichen Raten auswirkt.

Möglich für eine Anschlussfinanzierung ist auch ein Forward-Darlehen. Sie können damit bereits für Ihre künftige Anschlussfinanzierung die Zinsen sichern, auch wenn Ihr Kreditvertrag noch nicht im nächsten Jahr ausläuft. Die Anschlussfinanzierung muss dann zu den vereinbarten Konditionen erfolgen. Das Forward-Darlehen hat jedoch häufig den Nachteil, dass der Zinssatz geringfügig über dem Zinssatz für einen Kredit zu den aktuellen Konditionen mit vergleichbarer Laufzeit liegt. Die Vorlaufzeit bei Ihrer Bank und die Situation auf dem Kapitalmarkt beeinflussen diesen Aufschlag. Sinken jedoch die Zinsen am Markt und liegen unter den Zinsen, die Sie vereinbart haben für Ihr Forward-Darlehen, können Sie von der günstigen Zinsentwicklung am Markt nicht profitieren.

Zinsbindungsfrist

Warum ein neuer Vertrag abgeschlossen wird, erklärt sich mit bereits verwendeten Begriff Zinsbindungsfrist. Diese stellt den Zeitraum dar, in dem der Sollzinssatz sich unabhängig von der Marktentwicklung für den Kunden nicht verändert. In dieser Zeitspanne besteht also eine Planungssicherheit, denn der Zinssatz und somit der Anteil an der Tilgung bleiben stets gleich. Da der Zinsmarkt aber Schwankungen unterlegen ist, setzen die Banken eine Frist fest, nach welcher die Kreditzinsen entsprechend angepasst werden können. Diese Zeitspanne wird eben als Zinsbindungsfrist bezeichnet.

Mit dieser Methode halten sich die kreditgebenden Banken die Möglichkeit offen, den Kredit für den Kunden zu verteuern, wenn die Entwicklung am Markt sich entsprechend verändert. Steigt also der Leitzinssatz an, wird auch der Kreditzins um den entsprechenden Wert erhöht. Der Kunde hat in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, eine außerordentliche Sondertilgung zu leisten und somit die Restsumme abzutragen oder aber zu einer anderen Bank im Rahmen einer Umschuldung oder eines Foraward-Darlehens zu wechseln. Sollten diese Optionen nicht bestehe – die Gründe hierfür können vielfältig sein – muss eine Anschlussfinanzierung mit der Bank verhandelt werden.

Planung der Anschlussfinanzierung

Die Anschlussfinanzierung sollte schon so früh wie möglich geplant werden. Im Idealfall beginnt der Kunde bereits fünf Jahre vor dem Ende der Zinsbindungsfrist die Entwicklung am Zinsmarkt zu beobachten und somit schon langfristig auf die von ihm gewünschte Lösung hinzuarbeiten. Schon zu diesem Zeitpunkt kann die Möglichkeit der Aufnahme eines Foraward-Darlehens untersucht werden. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass die Laufzeit weniger als 60 Monate aber noch mehr als zwölf Monate betragen muss. Hat die Zinsbindungsfrist diesen Wert bereits unterschritten, muss zwangsläufige eine Anschlussfinanzierung oder Umschuldung in Erwägung gezogen werden.

Spätestens in den letzten drei Monaten vor Ablauf der Phase, sollten die ersten Angebote eingeholt werden. Diese sollten immer günstiger ausfallen als das bisherige Darlehen. Da die bisher finanzierende Bank den Vertrag in keinem Fall verlieren will, entsteht so also eine hervorragende Verhandlungsposition, um für sich bessere Konditionen zu erschaffen.

Lässt sich die Bank nicht auf einen günstigeren Zinssatz ein, so bleibt zwangsläufig nur die Umschuldung. Auch diese Option sollte schon langfristig untersucht werden. Dabei gilt es, die besten Konditionen zu ermitteln, wobei nicht nur die Zinsen im Raum stehen. Auch Nebenkosten wie etwaige Gebühren für eine Sondertilgung oder die Möglichkeit die Ratenhöhe flexibel anpassen zu können, sind nicht außer Acht zu lassen, wenn in finanziell schwierigen Zeiten, eine einfache Überbrückung geschaffen werden soll.

Die Alternativen

Wie eben schon erwähnt gibt es zu einer Anschlussfinanzierung, welche auch als Prolongation bezeichnet wird – durchaus Alternativen. Da diese mitunter deutlich günstiger ausfallen können, soll auf einen Blick auf diese nicht verzichtet werden.

Das Foraward-Darlehen

Das Foraward-Darlehen stellt ein besonderes Darlehen dar. Sind die Zinsen aktuell günstig, so kann sich der Kunde diese schon für die nächste Zinsbindungsfrist sichern. Das Foraward-Darlehen wird in der Regel mit geringen Aufschlägen seitens der BAnk vergeben, sorgt aber dafür, dass auch für die nächste Phase die günstigen Konditionen erhalten bleiben. Es kann dann Aufgenommen werden, wenn die bisherige Phase weniger als 60 Monate aber noch mehr als zwölf Monate läuft. Allerdings beginnt der neue Vertrag erst dann, wenn diese Frist ausgelaufen ist.

Allerdings sollte der Kreditnehmer mit dem Abschluss eines Foraward-Darlehens so lange wie möglich warten. Sollten die Zinsen entgegen der Einschätzung des Kunden nämlich fallen und nicht steigen, so kann er von diesem geringeren Zinssatz nicht mehr profitieren. Er muss den Vertrag die gesamte Laufzeit über erfüllen und zahlt somit mehr für seinen Kredit, als eigentlich erforderlich wäre. Daher sind meist die Werte etwa ein oder zwei Monate vor dem Auslauf der Beantragungsfrist ausschlaggebend.

Die Umschuldung

Die Umschuldung wird mit am häufigsten genutzt, wenn es um die Anschlussfinanzierung geht. Hierbei wird ein völlig neuer Kreditvertrag mit einer anderen Bank abgeschlossen. Diese übernimmt quasi die Restschuld und löst die entsprechende Summe bei der bisherigen Bank ab. Der Vorteil besteht darin, dass abhängig von der Bonität und der Höhe der Restschulden, bei einem solchen Schritt deutlich bessere Konditionen erzielt werden können. Auf diese Weise lassen sich also langfristig erhebliche Summen sparen. Natürlich wird auch in diesem Zusammenhang wieder eine Zinsbindungsfrist vereinbart, wenn am Ende der Laufzeit nicht die Tilgung des Gesamtbetrages steht.

Allerdings gibt es auch hier Nachteile, denn für die Umschuldung müssen Gebühren bezahlt werden. Diese belaufen sich auf die anfallenden Notarkosten, da die Grundschuld von einer Bank auf die andere Übertragen werden muss. Die Übertragungsgebühren sind aber etwa um die Hälfte günstiger, als dies bei einem Neueintrag der Fall ist. Zudem kann auch die neue Bank gebühren verlangen, wenn die Übertragung mit erweiterten Kosten verbunden ist. Diese werden entweder in den neuen Kredit mit aufgenommen oder aber dem Kunden gesondert in Rechnung gestellt.

Das Volltilgerdarlehen

Letztlich besteht noch die Möglichkeit, die bisherige Finanzierung in ein Volltilgerdarlehen umzuwandeln. Ist die Kreditschuld noch recht überschaubar, so kann der Kunde für sich entscheiden, dass er den Restbetrag mit höheren Raten bis zum Ende der nächsten Zinsbindungsfrist abtragen will. Dieser Vorgang empfiehlt sich vor allem in Niedrigzinsphasen, wenn der Anteil der Tilgung an der Rate hoch und der Zinssatz niedrig ist. Auf diese Weise kann eine effektive Ablösung des Kredites herbeigeführt werden.

Das Volltilgerdarlehen eignet sich allerdings nur dann, wenn die Restsumme in einem Rahmen liegt, de vom Kunden auch überschaut werden kann. Schnell kann es passieren, dass falsche Einschätzungen getroffen werden, sodass die anfallenden Raten plötzlich nicht mehr gezahlt werden können. Daher sollte ein solcher Schritt gut überlegt sein. Im Zweifelsfall ist stets die Prolongation die bessere Wahl, denn sie bietet eindeutig mehr Sicherheiten.

Ausnahmeschritt: Soforttilgung

Eine wirklich Ausnahme stellt die Soforttilgung des Restbetrages dar. Sollte der